{"id":3921,"date":"2012-07-08T08:12:36","date_gmt":"2012-07-08T08:12:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kucazapisce.hr\/oto-oltvanji\/"},"modified":"2012-07-08T08:12:36","modified_gmt":"2012-07-08T08:12:36","slug":"oto-oltvanji","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kucazapisce.hr\/de\/autoren\/oto-oltvanji\/","title":{"rendered":"Oto Oltvanji"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-280\" title=\"oto03\" src=\"http:\/\/kucazapisce.hr\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/oto03-450x300.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.kucazapisce.hr\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/oto03-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.kucazapisce.hr\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/oto03-615x410.jpg 615w, https:\/\/www.kucazapisce.hr\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/oto03.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Depeschen aus dem Literaturhaus<\/p>\n<p>12. 11. 2011.<\/p>\n<p>Ein Schreibheft und ein Bleistift (falls das Notebook kaputt geht), hier. Verwicklung-Notizen, hier. Webcam (f\u00fcr kinky stuff), hier. Videosammlung, hier. Zwei Bucht\u00fcrme (zollpflichtig?), hier. Taschenflasche \u2013 HIER! Ich setzte den t\u00f6dlichen iPod auf, die Leute im Bus tun mir leid. Auf nach Istrien, um in Isolation wie ein Verr\u00fcckter zu schreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>13. 11. 2011.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rchenhaus am Rande des Abgrunds untergebracht. An Strom, ans Netz angeschlossen, bereit f\u00fcr n\u00e4rrisches Tippen. Aber \u2026 zuerst ein Gl\u00e4schen Biska, Mistelschnaps, des bestaufbewahrten istrischen Geheimnisses. Oder zwei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>14. 11. 2011.<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt die hiesige Nahrung. Manestra, Bohnen, Fu\u017ei (hausgemachte Nudelschleifen), Tr\u00fcffel, Putenfleisch, Spargel. Wenn ich es wagen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich vom Restaurant des Motels \u201eLovac\u201c mit der Seilrutsche \u00fcber den Abgrund direkt zum Haus hin \u2013 Tragf\u00e4higkeit acht Tonnen, Flugdauer acht Sekunden. Nur musste man hungrig zu Fu\u00df bergauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>15. 11. 2011.<\/p>\n<p>Eine alte Schreibmaschine im Schaufenster in Pazin. Ich w\u00fcrde\u00a0 mich abrackern, h\u00e4tte ich alle heutigen Korrekturen auf dieser machen m\u00fcssen, und doch vermisse ich sie manchmal, den alten Kram.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>16. 11. 2011.<\/p>\n<p>Heutige Runde: 1.313 W\u00f6rter. F\u00fcr die alte Garde, vier Normseiten. Nicht die gew\u00fcnschte Tagesquote, aber nahe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>17. 11. 2011.<\/p>\n<p>Ich verlor den ganzen Tag auf der Suche nach dem Satz von heute morgen. Ich erkl\u00e4re diesen offiziell f\u00fcr verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>19. 11. 2011.<\/p>\n<p>Die Luft riecht nach Rauch von der Holzheizung. Aus dem Abgrund h\u00f6rt man den Pazin\u010dica-Fluss. All der Nebel dieser Welt quellt aus der Schlucht hervor. Das ist eigentlich kein Nebel sondern der Hauch des Schluchtwesens. Das Tagebuch, das in drei Wochen im leeren Literaturhaus gefunden wird, wird mit Dialogen mit dieser Kreatur ausgef\u00fcllt sein. Derjenige, der die Schriften findet und liest, wird nachts beginnen etwas zu h\u00f6ren \u2013 nichts? \u2013 was im Tagebuch als perfektes Gleichgewicht zwischen Schrei, Fl\u00fcster und Stille beschrieben wurde, und dann\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. 11. 2011.<\/p>\n<p>Sonntagsausflug. In einem Keller in Motovun: Kr\u00e4uterschnaps, Weichselschnaps, Wein. Bin versorgt mit Biska-Vorr\u00e4ten, f\u00fcr hier und f\u00fcr zu Hause.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>21. 11. 2011.<\/p>\n<p>Da liegt eine eingedrehte Logik darin, dass ein Teil dieser batschkas Gotik im Herzen Istriens zur Welt kommt. Es w\u00e4re allerdings nicht schlecht, wenn die Geburtsjahren der Gestalten aus sechs Generationen, in einem Werk, das eine Familiensaga sein m\u00f6chte, \u00fcbereinstimmen w\u00fcrden. Das Schreiben ist manchmal reine Mathematik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>23. 11. 2011.<\/p>\n<p><em>All work and no play makes Jack a dull boy. All play and no work makes Jack a mere toy<\/em>. Es ist nicht nur Arbeit, da gibt es auch Spiel: letzte Nacht in Pazin unter Moderation und Fragenfeuer von Davor \u0160i\u0161ovi\u0107, plapperte ich denjenigen, die keine Angst vor Winter haben (und es ist kein L\u00f6we). Heute werde ich \u00fcber Horror in Umag sprechen (Angst hat wer gesund ist).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>24. 11. 2011.<\/p>\n<p>Der Schulsaal ist voll. Die Direktorin des Gymnasiums stellt die Fragen aus dem Publikum. Die Antworten haben bestanden. Ich habe meine \u00fcbliche Zirkusnummer gespielt \u2013 nacherz\u00e4hlen des 500-seitigen Romans in weniger als einer Minute mithilfe von einem Zahnstocher. Von einer Gymnasiastin bekamen wir hei\u00dfes, von ihrer Mutter gebackenes Kornbrot. <em>I heart Umago. <\/em>Das Treffen in der Umager Bibliothek organisierte mein Kollege aus Gymnasium in Subotica Neven U\u0161umovi\u0107, Bibliotheksleiter und Schriftsteller, mein Freund noch aus den Zeiten des Ausflugs nach Fa\u017eana und Pula vor genau 23 Jahren. <em>Circle of life, Simba.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>25. 11. 2011.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt nach Pazin, kurzer Stopp in Pore\u010d. Trotz der gespenstig leeren Stra\u00dfen ist Winter am Meer noch immer sch\u00f6ner als am Festland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>27. 11. 2011.<\/p>\n<p>Gestern war ganz lustig in der gelegentlich gespenstigen Atmosph\u00e4re des Cafes \u201eVampire\u201c in Kringa. Ich erkl\u00e4rte den Titel <em>Wirbels\u00e4ule der Nacht<\/em> dem ber\u00fchmten Astronomen. Ich hinterlegte den Roman in eine Horror-Vitrine mit H\u00e4ngeschloss in Form eines Sargs. Korado Korlevi\u0107 bemerkte, dass der Sarg eher in Form einer modernen Computerphysiognomie mit etwas breiteren H\u00fcften, als der einstigen mit mehr Breite in den Schultern hergestellt wurde. Der Abend setzte sich auch nach dem offiziellen Teil fort, der rote Cocktail mit Namen \u201eJure Grando\u201c\u00a0 floss in Str\u00f6men. Das Leben ist auch weiterhin herrlich eigenartig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. 11. 2011.<\/p>\n<p>Ich habe zwei Tage lang nicht geschrieben. Nachholen leere Versprechung. Alles ist ausgew\u00e4hlt f\u00fcr den neuen Risiko-Roman: Genre, Pr\u00e4misse, Gestalten, Handlungsort. Wollte es denn jemand anders haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>01. 12. 2011.<\/p>\n<p>Das Licht am Tunnelende wird erkennbar. Ganz ehrlich? Ich habe Heimweh. Und wie es auch gut hei\u00dft, behandle deinen Gast drei Wochen als Gast aber am n\u00e4chsten Tag gib ihm eine Hacke. Aber, wieso f\u00e4llt mir der Abschied so schwer?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>02. 12. 2011.<\/p>\n<p>Hier sorgten um mich Davor, Meister Goran und Iva Ciceran. Iva war eine Gastgeberin zum W\u00fcnschen. Das Wesen des langen vereinsamten Abenteuers haben Mirko, \u0160ile, Raul ge\u00e4ndert, mich als ihren eigenen aufnehmend. Ich bin schnell zum Inventarium von \u201eSax\u201c geworden, eines Caf\u00e9s mit Jukebox, wo Danzig gespielt wird. Das habe ich eigentlich schon am zweiten oder dritten Tag begriffen, als mich der Eigent\u00fcmer-Biker als erster begr\u00fc\u00dfte. Chronisch mehr Gl\u00fcck als Verstand. Zum Wohl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>03. 12. 2011.<\/p>\n<p>Zwanzig Tage, f\u00fcnfzig Normseiten (15.000 W\u00f6rter). Aufgrund anderer Obligationen, einige Tage Pause. Ist nicht f\u00fcr Guinness, aber zusammen mit dem von fr\u00fcher, bin ich beim zweiten Akt von vier. Ich m\u00f6chte es eigentlich immer so haben. Ich werde an Pazin denken, und ich komme zur\u00fcck, da bin ich sicher. Das n\u00e4chste was kommt: Schreiben im Schaufenster der Metropole, wie Harlan Ellison.nbsp;<\/p>\n<p>14. 11. 2011.<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt die hiesige Nahrung. Manestra, Bohnen, Fu\u017ei (hausgemachte Nudelschleifen), Tr\u00fcffel, Putenfleisch, Spargel. Wenn ich es wagen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich vom Restaurant des Motels \u201eLovac\u201c mit der Seilrutsche \u00fcber den Abgrund direkt zum Haus hin \u2013 Tragf\u00e4higkeit acht Tonnen, Flugdauer acht Sekunden. Nur musste man hungrig zu Fu\u00df bergauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Depeschen aus dem Literaturhaus 12. 11. 2011. Ein Schreibheft und ein Bleistift (falls das Notebook kaputt geht), hier. Verwicklung-Notizen, hier. Webcam (f\u00fcr kinky stuff), hier. Videosammlung, hier. Zwei Bucht\u00fcrme (zollpflichtig?), hier. Taschenflasche \u2013 HIER! Ich setzte den t\u00f6dlichen iPod auf, die Leute im Bus tun mir leid. 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